RaumPlanung 161/2-2012 März/April

Next Generation

Peter Apel, Dagmar Brüggemann, Ronald Kunze, Christina Peterburs 
Next Generation (Facheditorial) 
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Klaus Habermann-Nieße, Bettina Schlomka
Jugend, Stadt und Raum
Stadtentwicklung und Jugend zusammen zu denken, erfordert zunächst zwei grundsätzliche Positionsbestimmungen. Erstens: Wenn wir von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sprechen – wen meinen wir da eigentlich? Und zweitens: Welches Verständnis von Beteiligung und Mitwirkung haben die professionellen Akteure im Rahmen der Stadt- und Quartiersentwicklung, wenn es darum geht, Jugendliche und junge Erwachsene einzubinden? Dieser Beitrag versucht, die große Gruppe der »Jugendlichen« etwas differenzierter zu betrachten. Es geht um die persönliche und soziale Entwicklung, um Abgrenzung und Zuhause sein, es geht um jugendliche Lebenswelten und Kulturen.

Dirk Schelhorn
FreiRäume für Kinder und Jugendliche... gestalten?
Kinder und besonders Jugendliche werden im öffentlichen Raum zu wenig berücksichtigt. Im Rahmen klassischer Stadtentwicklung gibt es kaum verbindliche, einforderbare Qualitätskriterien zu Gunsten dieser Altersgruppe. Unabhängig von den Rechten der jungen Generation auf eigene Entwicklungsräume ist festzustellen, dass es bei Kindern und Jugendlichen erhebliche motorische und soziale Defizite gibt, die auch auf das Fehlen geeigneter (un-)gestalteter Freiräume zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang ist auch zu vermerken, dass zum Beispiel Spielplätze immer sicherer, aber auch technischer werden, viele Kinder aber unter erheblichem Bewegungsmangel leiden. Es reicht also nicht, Spielinseln anzubieten. Kinder brauchen Platz und eine geeignete Gestaltung frei zugänglicher, öffentlicher Räume.

Pablo Giese
Parkour – Neue Wege durch die Stadt
Immer häufiger macht eine neue Sportart Schlagzeilen. »Parkour« bezeichnet hier nicht die Hindernisse auf einem Reitplatz, sondern eine jugendkulturelle Freestylesportart, die sich meist in stark bebauten städtischen Räumen abspielt. Aktuell stellt sich die Frage, ob Parkour lediglich ein aufflammender Trend der heranwachsenden Generation ist oder ob es als Instrument in der Jugendförderung und Raumplanung Verwendung finden kann.

Stephanie Haury, Stephan Willinger
Jugendliche als Akteure der Stadtentwicklung
Das ExWoSt-Forschungsfeld »Jugendliche im Stadtquartier«
Jugendliche nutzen und gestalten intensiv die Stadt und den öffentlichen Raum. Kaum eine andere Gruppe bringt soviel Leben in die Stadt – und wird gleichzeitig so abweisend behandelt. Kaum jemand hätte so viel zur Qualität von Stadtentwicklung zu sagen – und wird so wenig gefragt. Hier wird versucht, diese Widersprüche aufzulösen und darzustellen, welche Potenziale durch eine intensivere Mitwirkung von Jugendlichen für Stadtentwicklung und Baukultur entstehen können. Der Beitrag gibt erste Antworten auf die Fragen: Welche Impulse können Jugendliche für Stadtentwicklungsprozesse geben? Welche Möglichkeitsräume bieten ihnen die Städte? Mit welchen Themen und Methoden kann man Jugendliche an Planung beteiligen? Was gewinnt die Stadtentwicklung, wenn Jugendliche sich engagieren?

Holger Hofmann
Vom Fremdkörper zum Innovationsmotor
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Stadtplanung
Kinder- und Jugendpartizipation wird in der kommunalen Verwaltung oftmals als Fremdkörper angesehen und die Umsetzung der Beteiligungsrechte hängt vom guten Willen der Entscheidungsträger ab, der nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht respektive diese ausschöpft. Dabei sprechen die Erfahrungen in vielen Städten und Gemeinden eine andere Sprache: Kinder- und Jugendpartizipation ist ein Innovationsmotor. Grundlage hierfür ist die Anwendung methodischer Erkenntnisse und die Reflexion verändernder Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen.

Bernhard Meyer
Bewegung für die Langsamen
Zur Rückgewinnung des öffentlichen Raumes
Es ist unübersehbar: Früher war manches ganz anders. Der Behauptung soll hier nun nachgegangen werden, dass der öffentliche Raum sich für Kinder, Alte und Beeinträchtigte langsam verändert hat und unbemerkt Qualitäten verschwunden sind, deren Bedeutung sich erst heute erschließt. Was einmal selbstverständlich war, verschwand zunächst, ohne dass es vermisst wurde. Doch irgendwann zeigt die Analyse auf, welche wichtige Funktion das verlustig Gegangene hatte.

Peter Apel
Bleib nicht stehen!
Spielleitplanung: Vom Projekt zur Strategie

Für die raumbezogenen Belange gibt es abgesicherte Instrumente und Regelverfahren – für die raumwirksamen existenziellen Interessen von Kindern und Jugendlichen lässt sich nichts Vergleichbares finden. Selbst die Belange der Umwelt sind mittlerweile mit wirksamen Instrumenten unterlegt. Die Bedeutung von Freiräumen als Spiel-, Bewegungs- und Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche werden hingegen nicht thematisiert und in die Abwägung eingebracht. Täglich verschwinden Freiräume, ohne die Folgen für Kinder und Jugendliche darzustellen. Diese vorhandene instrumentelle Lücke schließt die Spielleitplanung, ein mittlerweile erprobtes Planungsinstrument, das in den Planungsalltag vieler Städte und Gemeinden Eingang gefunden hat.

Thorsten Krüger
Spielleitplanung in Langen
Kinder und Jugendliche sollten wieder stärker zur Natur und zum eigenen Lebensraum herangeführt werden. Selbst in den ländlichen Regionen zeigt sich, dass durch den Medienkonsum und das geänderte Freizeitverhalten bei vielen Kindern und Jugendlichen immer weniger Bezug zur Natur besteht. Aus diesem Grunde haben sich die Mitarbeiter der Stadt Langen bereits im Jahre 2006 Gedanken um ein passendes Instrument gemacht, welches die Situation für Kinder und Jugendliche in der Stadt verbessern könnte. Hierbei sind sie unter anderem auf die Spielleitplanung gestoßen. Vor dem Hintergrund knapper Kassen wurde damit auch das Ziel verfolgt, die investiven Mittel zur Instandsetzung und die kommunalen Mittel ziel- und bedarfsgerecht einzusetzen.

Barbara Bohle
Spielregeln in Vorarlberg
Das Spielraumgesetz in der Umsetzung
Im Jahre 2009 hat die Vorarlberger Landesregierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen. Es ist ein wesentlicher Beitrag, in Kooperation mit den 96 Gemeinden des Bundeslandes, die Ziele von »Kinder in die Mitte« umzusetzen. Allen Verantwortlichen ist bewusst, dass die Lebensräume von Kindern und Jugendlichen immer beengter und künstlicher werden, dass eine zunehmende Verhäuslichung zu beobachten ist und dass die Lebenswelten der jungen Generation ärmer an unmittelbaren Naturerlebnissen sowie an vielfältigen Bewegungs- und Sinneserfahrungen im Freien werden.

Weitere Beiträge

Ronald Kunze
Spielen ist mehr als Spielerei
Deutscher Spielraumpreis 1996 bis 2011

Für die Bewertung der Gestaltung von Spiel- und Freiräumen ist der Deutsche Spielraumpreis inzwischen zu einer festen Institution geworden, bei der die meist von den kommunalen Grünflächenämtern und/oder Grünplanungsbüros eingereichten wegweisenden Anlagen für Kinder und Jugendliche, aber auch für ältere Menschen und überhaupt für jedermann kritisch miteinander und gegeneinander abgewogen und teilweise mit Preisen ausgezeichnet werden. In den letzten Jahren verwirklichte Spielräume mit innovativem Charakter wurden von einer interdisziplinären Jury unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Bochnig (FH Ostwestfalen-Lippe) aus den üblicherweise 50 bis 80 Einreichungen durch eine Auszeichnung hervorgehoben und erhalten damit einen durchaus dauerhaft anhaftenden Charakter einer vorbildlichen Anlage.

Renate Kastorff-Viehmann, Yasemin Utku
Das Erbe Robert Schmidts
100 Jahre regionale Planung im Revier

Im Jahr 2012 jährt sich zum 100. Mal die Herausgabe der von Robert Schmidt verfassten »Denkschrift betreffend Grundsätze zur Aufstellung eines General-Siedelungsplanes für den Regierungsbezirk Düsseldorf (rechtsrheinisch)«. Lässt sich die Zeit um 1910 als Beginn der neuen Fachdisziplin Landes- bzw. Regionalplanung werten, so steht diese nach mehrmaligem Wandel von Aufgabe und Bedeutung in ihrer inhaltlichen Ausgestaltung heute erneut auf dem Prüfstand. Das Jahr 2012 bietet deshalb Anlass für eine Reflexion, die sowohl die Entstehung der Regionalplanung, die herausragende Rolle von Robert Schmidt und darüber hinaus das Ruhrgebiet als bedeutsamen Planungsraum thematisiert.

Jan Hilligardt
Regionalisierung in Hessen
Bilanz und Perspektiven

Auch im Bundesland Hessen wird seit vielen Jahren in Politik und Praxis eine kontroverse Auseinandersetzung über die geeigneten Strategien der Regionalisierung – im Spannungsfeld zwischen »interkommunaler Kooperation« und »Regionalreform « – geführt. Der Beitrag unternimmt eine kritische Bilanzierung der aktuellen Regionalisierungsansätze in Hessen, um dann im Wege der Aufarbeitung der unterschiedlichen Positionen auf Landes- und kommunaler Ebene mögliche Perspektiven aufzuzeigen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Bedeutungsgewinn der Region sowie den Strategien der Regionalisierung ist intensiv geführt worden, so dass Politik und Praxis heute auf ein solides Wissensfundament zurückgreifen können. Regionalisierung wird in diesem Beitrag verstanden als Prozess, in dessen Verlauf die Region als Bezugsrahmen an Bedeutung gewinnt. Zugleich wird auf die kommunalen Gebietskörperschaften als Akteure und damit auf Regionalisierung im politisch-administrativen Kontext fokussiert.

Rolf Stein
Metropolisierung in Berlin
Wandel der Berufsstruktur, soziale Effekte, neue Metropolfunktionen

In Berlin werden Wachstumsimpulse vor allem durch Beschäftigungszuwächse bei Forschern und Kreativen erhofft. Sie genießen die stärkste politische Förderung. Tatsächlich jedoch wuchs im neuen Jahrtausend die Beschäftigung in anderen Berufen viel schneller. Die Berufsgruppe der Juristen, Werbefachleute und Unternehmensberater ist auf dem Vormarsch. In der Konkurrenz der Metropolen um wissensintensive Tätigkeiten holt Berlin folglich zügig auf, selbst wenn die Stadt bei Forschung und Entwicklung das einstige Beschäftigungsniveau noch längst nicht wieder erreicht hat. So entstehen zahlreiche Arbeitsplätze in den hochwertigen unternehmensorientierten Diensten, die erhebliche regionale Wachstumseffekte auslösen - aber auch zunehmende Einkommensdivergenzen.

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