RaumPlanung 92 – Oktober 2000
Schwerpunkt: Die Weltausstellung als Planungsanlass
Die EXPO Hannover schließt nach fünfmonatiger Ausstellung. Die Diskussion um den Aufwand und die Funktion derartiger Großveranstaltungen reißt jedoch nicht ab. Im Kontext von Stadt und Region stellen sich Fragen nach den Einflüssen und Auswirkungen von Weltausstellungen auf die städtischen und regionalen Strukturen. Unterschiedliche Aspekte des Themenkomplexes EXPO werden berücksichtigt: die EXPO und das Verhältnis zur Stadt Hannover, die dezentrale Strategie der Korrespondenzregionen, die EXPO 98 in Lissabon.
Hans-Norbert Mayer
Hannover und die EXPO
Ein Großereignis als Vehikel zur Stadtentwicklung?
Im Zusammenhang mit der EXPO 2000 verfolgte Hannover eine Planungsstrategie, durch die ein großes Ereignis als Vehikel für die Stadtentwicklung genutzt werden sollte. Eine solche – indirekte – Entwicklungsstrategie wirft jedoch viele Fragen auf, insbesondere nach ihrer Legitimierbarkeit, nach ihrer Effektivität und nach ihrer Steuerbarkeit. Dies wird unter anderem am Beispiel des neuen Stadtteils Kronsberg und des „Hannoverprogramms 2001” deutlich.
Heidi Müller, Klaus Selle
EXPO... und nun?
Anmerkungen zur Situation in Hannover und zur weiteren planungstheoretischen Diskussion über große Projekte und Festivalisierung
Die Auseinandersetzung um die EXPO war Anfang der 90er Jahre durch das Gegeneinander von schwärzesten Befürchtungen und rosaroten Hoffnungen geprägt. Die einen erwarteten nachhaltige Schäden für Hannover, die anderen eine wundervolle Zukunft. Was das „Big Event” Hannover gebracht hat, ist auch zehn Jahre später noch umstritten: Das Defizit im Geschäft der EXPO GmbH mag leicht zu bilanzieren sein, die Wirkung auf Stadt und Region nur schwer.
Elisabeth Kremer, Holger Schmidt
Exponitis oder regionale Entwicklung?
Die Korrespondenzregion Dessau-Bitterfeld-Wittenberg
Die Region um Dessau, Bitterfeld und Wittenberg erarbeitete explizit unter dem Vorzeichen einer regionalen Entwicklung – als Korrespondenzregion – ihren Beitrag zur Weltausstellung in Hannover. Zahlreiche Vorhaben sollten exemplarisch für den strukturellen Wandel der gesamten Region stehen und damit einer oberflächlichen Festivalisierung entgegenwirken. Aus heutiger Sicht zeigt sich, dass einzelne Projekte zwar Impulse für die lokale Entwicklung geben konnten, jedoch gerade der regionale Anspruch nicht erfüllt wurde.
Egon Lenk
Dorf 2000 – Beispiele nachhaltiger Landentwicklung
EXPO-Projekt stellt in zwölf Orten Entwicklungspotenziale ländlicher Räume vor
Erstmals in der 150jährigen Geschichte der Weltausstellungen wurden im Rahmen der EXPO 2000 weltweit mehr als 700 begleitende Projekte durchgeführt, die Ideen für die Zukunft geben sollten. Eines von ihnen ist „Dorf 2000 – Beispiele nachhaltiger Landentwicklung”: An zwölf Orten wird gezeigt, wie die Zukunft des ländlichen Raums aussehen kann: von der Ansiedlung neuer Arbeitsplätze über den Umbau landwirtschaftlicher Gebäude zu kulturellen Einrichtungen bis hin zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums durch intensives Bodenmanagement.
Joachim Thiel
Die EXPO 98 in Lissabon als strategisches Großprojekt
Rahmenbedingungen, Umsetzungstrategien und stadtstrukturelle Auswirkungen
Lissabon nahm die EXPO 1998 zum Anlass, ein umfangreiches Stadtentwicklungsprojekt anzustoßen: Auf alter Hafen- und Industriefläche sollte ein neuer Stadtteil für 25.000 Einwohner entstehen. Die Ziele waren ambitioniert – der deindustrialisierte Osten der Stadt sollte aufgewertet, die „Rückkehr” Lissabons an das Tejo-Ufer vorangetrieben werden. Knapp zwei Jahre nach dem Ende der Weltausstellung lässt sich eine erste Einschätzung treffen, welche Auswirkungen das Projekt „EXPO Urbe” auf die Stadtstruktur hat.
Brigitte Adam
Richtung Nachhaltigkeit
Am Ziel eines Wettbewerbs
26 Regionen haben am Bundeswettbewerb „Regionen der Zukunft – regionale Agenden für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung” teilgenommen. Im Rahmen der Weltkonferenz URBAN 21 wurden die Gewinner prämiert. Sie haben in den vergangenen drei Jahren vorbildliche regionale Entwicklungen initiiert, Dialog- und Kooperationsstrukturen aufgebaut und innovative Projekte umgesetzt.


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