RaumPlanung 122 – Oktober 2005
Schwerpunkt: Wohnungsmarkt
Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist in schrumpfenden und boomenden Regionen schon seit längerem nicht im Gleichgewicht: in Ersteren kämpft die Wohnungswirtschaft angesichts hoher Leerstandsquoten um ihr Überleben, in Letzteren haben gerade die sozial schwächeren Mieter/innen Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Zukunftstaugliche Strategien zur Stabilisierung des Marktes müssen die Interessen vieler Akteure und bei all dem die demografische Entwicklung berücksichtigen – so unterschiedlich sie zeitlich wie regional auch ausfallen mag. Dabei kommt den Kommunen eine zentrale, auch moderierende Funktion zu. Die sieben Hauptbeiträge dieses Heftes beleuchten das komplexe Themenfeld des Wohnungsmarkts und der Wohnraumversorgung aus verschiedenen Perspektiven: denen der Kommunen, der Wohnungsgesellschaften, Wohnungsgenossenschaften und privaten Wohnungseigentümer. Drei Praxisbeispiele zeigen zudem, dass es mit innovativen Konzepten möglich ist, innerstädtische Flächen und vorhandene Bausubstanz für ein attraktives Wohnungsangebot zu aktivieren und mit ganzheitlichen Planungsansätzen Wohnquartiere aufzuwerten und zu stabilisieren
Ulrich Kraus
Kommunale Wohnungsmarktbeobachtung
Ein zentraler Baustein der Wohnungsmarktpolitik
Grundlage der Entscheidungsfindung für alle Akteure am Wohnungsmarkt sind aussagefähige und aktuelle Daten. Der 1998 in Nordrhein-Westfalen gestartete "Modellversuch kommunale Wohnungsmarktbeobachtung" ist darauf gerichtet, auf kommunaler Ebene eigene Beobachtungssysteme aufzubauen – als Ergänzung zur bestehenden Marktbeobachtung des Landes.
Tobias Jacobs, Jens Töpper
Kommunale Wohnraumversorgungskonzepte
Ein nutzbringendes Instrument für die lokale Wohnungspolitik?
Auf die Qualität der Wohnraumversorgung wirken nationale und regionale Rahmenbedingungen sowie lokale Besonderheiten ein. Kommunale Wohnraumversorgungskonzepte sollen helfen, die Ziele der Wohnungs- und Sozialpolitik mit denen der gesamten Stadtentwicklungspolitik zu koordinieren. Verbreitungsgrad und Ausgestaltung solcher Konzepte sind Gegenstand einer aktuellen Evaluierung.
Thomas Böhm, Hans-Peter Neuhaus
Kommunale Strategien bei Privatisierung von Wohnungsbeständen
Der "Dortmunder Weg" – hin zu Kooperationsvereinbarungen am Wohnungsmarkt
Alte Wohnsiedlungen bereiten Probleme: Investitionen in Wohnungen und Wohnumfeld sind unerlässlich, damit eine heterogene Sozialstruktur erhalten bleibt und Bessergestellte nicht ins Umland abwandern. Privatisierungen ganzer Siedlungen müssen durch kommunale Einflussnahme mieterfreundlich erfolgen. Die Stadt Dortmund verfolgt eine ganzheitliche, stabilisierende Entwicklungsstrategie.
Brigitte Karhoff, Wolfgang Kiehle
Genossenschaftliches Wohnen als "dritte Säule" der Wohnungsversorgung
Das genossenschaftlich organisierte Wohnen erlebt eine Renaissance: Unzureichende Förder- und Eigenmittel schließen viele Mieter/innen vom Wechsel ins Wohnungseigentum aus, lassen die Wohnungsgenossenschaft zur Alternative werden. Das Genossenschaftsmodell eignet sich für vorhandene, von Privatisierung bedrohte Siedlungen sowie für die Realisierung gemeinschaftlicher Wohnprojekte.
Nicola Müller
Private Eigentümer am Wohnungsmarkt
Herausforderungen des demografischen Wandels
Der Wohnungsbestand in Deutschland ist in hohem Maße durch Privatbesitz gekennzeichnet. Private Wohnungseigentümer sind deshalb eine zentrale Akteursgruppe am Wohnungsmarkt. Wohnungspolitische Programme müssen diese Interessen nicht nur kennen und einbinden, sondern auch dafür sorgen, dass das private Investitionsverhalten marktgerecht und zukunftsorientiert ist.
Hathumar Drost
Wohnort Innenstadt – Auf dem Weg in die Mitte
Sachstand und Perspektiven der Wohnfunktion in den Stadtkernen ostdeutscher Städte
Die Rückbesinnung auf die Qualitäten des Wohnens in Innenstädten kommt den Zielsetzungen des Stadtumbaus und der Landesentwicklung gerade für schrumpfende Regionen entgegen. Investitionen in den Wohnungsbestand, die Wohnraumförderung, die Realisierung innovativer Wohnkonzepte und die städtebauliche Erneuerung profitieren von einer integrierten Standortentwicklung für Innenstädte.
Reiner Staubach
Migranten als Kunden
Zum Umgang der Wohnungswirtschaft mit ethnisch-kultureller Vielfalt
Auch für einen generell relativ entspannten Wohnungsmarkt gilt: Die Versorgungssituation von Migranten gibt immer noch Anlass, am Abbau von Benachteiligungen zu arbeiten. Eine Befragung von Wohnungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen ergab, dass die Problemwahrnehmung zwar vorhanden, die Entwicklung von Handlungsstrategien im Umgang mit einer wachsenden ethnisch-kulturellen Vielfalt der Mieterschaft aber noch aussteht.
Weitere Themen im Forum
- Stefan Gabi, Christoph Scheffen: Das Leipziger "Selbstnutzerprogramm
- Reiner Staubach: Das Praxisnetzwerk "Projektverbund Nordstadt"
- Barbara Crome: Forschungsprojekt "Modelle Genossenschaftlichen Wohnens"
- Nicola Müller: Gemeinschaftlich realisierte Wohnprojekte
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