RaumPlanung 119 – April 2005
Schwerpunkt: Raum und Verkehr
Der Zusammenhang zwischen Raum- und Verkehrsentwicklung ist im Prinzip "kein Thema" – eine Selbstverständlichkeit eben. Beim Blick auf Ursache und Wirkung etwa der Suburbanisierung werden jedoch nicht nur Abhängigkeiten zwischen Verkehrsangebot und Siedlungsstruktur deutlich, sondern es gibt eine Fülle von Einflussgrößen z. B. ökonomischer und finanzpolitischer sowie soziologischer und psychologischer Natur. Der Veränderung des aktuell vorherrschenden Mobilitätsverhaltens – Ergebnis einer jahrzehntelangen Begünstigung des automobilen Verkehrs – kommt eine entscheidende Funktion zu. Sieben Hauptbeiträge dieses Heftes setzen sich mit dem komplexen Themenfeld auseinander und sollen dazu beitragen, das Verständnis für die Interdependenzen zwischen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung zu schärfen.
Dieter Apel
Wege aus der staatlich subventionierten Suburbanisierung
Zum politischen Umgang mit automobilorientierten Siedlungsstrukturen
Eine politisch gewollte Subventionierung des Eigenheimbaus und der Automobilnutzung hat – in Verbindung mit dem planerischen Leitbild der aufgelockerten, in ihren Nutzungen gegliederten und "autogerechten" Stadt – zu einer fortschreitenden Suburbanisierung geführt. Die Politik muss diese nicht nachhaltigen Rahmenbedingungen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung reformieren
Arnd Motzkus
Raum und Verkehr im Kontext von Wachstum und Schrumpfung
Zwischen Kompaktheit und Dispersion, Urbanität und Suburbanität, Zentralität und Peripherie
Die bisherigen wachstumsorientierten Planungsleitbilder passen nicht mehr zu den jetzigen Schrumpfungsbedingungen von Bevölkerung und Wirtschaft, eine Verfestigung kostenintensiver Siedlungs- und Verkehrsstrukturen nimmt der öffentlichen Hand jeden Gestaltungsspielraum. Nachhaltige Leitbilder einer "Stadt der kurzen Wege" und der dezentralen Konzentration müssen stärker "regionalisiert" gedacht werden, also angepasst an die spezifischen Bedingungen von Siedlungsräumen.
Christian Holz-Rau, Joachim Scheiner
Siedlungsstrukturen und Verkehr: Was ist Ursache, was ist Wirkung?
Vielfach werden Siedlungs- und Verkehrsstrukturen miteinander in Beziehung gesetzt, ohne dass die Entscheidungsgrundlagen der Bevölkerung über Standortwahl und Mobilitätsbereitschaft ausreichend Berücksichtigung finden: Verkehr wird durch Siedlungsstrukturen geprägt, diese wiederum durch individuelle Standortanforderungen, Wohnwünsche und Handlungsspielräume der Bevölkerung.
Ingrid Krau
Interdependenzen der Forschung zu Raum, Verkehr und Mobilität
Das Mobilitätsverhalten unterliegt vielen Einflussgrößen und ist dementsprechend Forschungsthema vieler Fachdisziplinen. Ein Problem besteht bis heute im disziplinären Austausch, also im Bemühen von Wissenschaftler/inne/n um transdisziplinäres Arbeiten und integrierte Konzepte – vor allem bei der Integration von Ansätzen der Human- und Geisteswissenschaften in die Ingenieurwissenschaften.
Robert Koch, Axel Stein
Strategien für die integrierte Entwicklung von Siedlung und Verkehr
Ergebnisse einer Analyse zum Raum Dresden
Zu einer nachhaltigen Mobilitätssicherung in Stadtregionen gehört zum einen die Konzentration der Siedlungstätigkeit an Standorten mit guter Nahversorgung und im Einzugsbereich von S- oder Straßenbahnen. Zum anderen sollte ein in interkommunaler Regie zu gestaltendes Nahverkehrsnetz besonders geeignete Standorte im Siedlungsgefüge auch besonders gut erschließen.
Michael Frehn, Ludwig Korte
Renaissance der kommunalen Verkehrsentwicklungsplanung?
Anforderungen an die zweite Plangeneration
Die Rahmenbedingungen für die Verkehrsentwicklungsplanung haben sich geändert – machen z. B. einen regionalen Bezug erforderlich und eine Anpassung an den geschrumpften Spielraum für öffentliche Investitionen. Für die "zweite Generation" von Plänen gilt aber auch, dass ihre Ausarbeitung und Umsetzung im Interesse einer nachhaltigen Verkehrsgestaltung wichtiger denn je ist.
Peter Pez
Ortsumfahrungen – Patent- oder Scheinlösung?
Entwicklung eines neuen Beurteilungsansatzes
Auf den ersten Blick scheinen Ortsumfahrungen für die entlasteten Ortschaften immer ein Gewinn zu sein. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass die positiven Effekte mitunter auch auf andere Weise erzielt werden können oder geringer ausfallen als die mit ihnen einhergehenden Verschlechterungen in anderen Bereichen. Ganzheitliche Betrachtungen und Prüfverfahren zur Abwägung von Schutzgütern können Fehlplanungen vermeiden helfen.
Weitere Themen im Forum
- Joachim Scheiner: Demografischer Wandel, Raum und Verkehr
- Birgit Kasper: Lebensstile, Mobilität und Raum
- Guido Müller: Betriebliches Mobilitätsmanagement
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