Maastricht-Ceramique: Von der Keramikfabrik zum neuen Stadtteil
Ziel der Exkursion des IfR am 18. Mai 2001 war die Stadt Maastricht. Dort ist ein neuer, großer Stadtteil entwickelt worden, der unter der Leitung eines "Supervisors" gestaltet wurde. Die Ergebnisse dieser Gestaltung wollten wir vor Ort überprüfen und diskutieren. Der Supervisor vermittelte zwischen der Stadt mit ihrem Stadtbaudirektor, dem Gestaltungsbeirat, dem Generalinvestor und den beteiligten Projektentwicklern und Projektarchitekten. Grundlage der Planung war zunächst eine als "Masterplan" bezeichnete Gesamtplanung. Hierauf setzte kein detailliert ausgearbeiteter Gestaltplan, sondern eine "Planungsvision", zu deren Beachtung sich die Beteiligten vertraglich verpflichtet hatten, auf. Das Vertragswerk enthält zum einen generelle Leitbildaussagen, zum anderen Handlungsanweisungen zu Details. Der "Supervisor" war mit vielen Rechten ausgestattet, er konnte z.B. Vorschläge für die Architekten besonders wichtiger Bauwerke machen. Um 13.00 Uhr machte sich eine Gruppe von 20 Planern und Architekten mit dem Linienbus auf den Weg nach Maastricht. Herr Wouters von der Stadt Maastricht empfing uns in einem Sitzungssaal des alten Rathauses bei Kaffee und Tee. Dort erläuterte er zunächst die aktuellen Planungsaktivitäten der Stadt Maastricht auf dem Gebiet der Stadterneuerung. Hier wurde bereits deutlich, dass es in den Niederlanden größere Freiheiten der Kommunen gibt. Finanzmittel des Landes werden zur freien Verfügung für die Stadterneuerung an die Kommunen weitergeleitet. Hiermit werden zum Teil die hohen gestalterischen Anforderungen, die die Öffentlichkeit an den Stadtraum stellt, finanziert. Architekten verwenden viel Energie, um in der Stadtsanierung neben den Hochbauten auch die öffentlichen Flächen zu gestalten.
Im Anschluss an diesen Vortrag besichtigten wir auf einem etwa zweistündigen Rundgang das neue Stadtviertel Ceramique. Auch vor Ort stellte Herr Wouters die hohe gestalterische Qualität der Gebäude heraus. Hier bot sich ein Ansatzpunkt zur Diskussion. Wir hatten doch in dem ein oder anderen Fall Zweifel an der konstruktiven Dauerhaftigkeit, der sozialen Nutzbarkeit oder an der Qualität des Straßenraumes, konnten aber auch einige interessante Ansätze der Stadtreparatur kennen lernen. Eine große planerische Aufgabe war z.B. die Verbindung des Gebietes mit dem südlich angrenzenden, jedoch durch eine Autostraßenbrücke abgetrennten Stadtteil. Diese Aufgabe wurde gelöst, indem das Gebäude von Libertel (Architekt Arno Mejs) auf beiden Seite der Brücke quasi als Brückenkopf - Gebäude erstellt wurde. Unter der Brücke liegt ein kleiner Vorplatz und ein Verbindungsbauwerk, das z.B. für Besprechungen genutzt wird.
Der "Turm" von Alvaro Siza dominiert die Straßenachse. Er "motiviert" sowohl die Umlenkung der Straße als auch den Beginn des Fußgängerplatzes. Mit Siza wurde ein Architekt gewählt, der durch die Kombination der liegenden Fensterformate mit einem Hochhaus das Kunststück bewältigt, das Gebäude trotz seiner Höhe in die benachbarte Struktur einzubinden. Bei beiden benachbarten Gebäuden dominieren die liegenden Formate, so dass sich hier eine einheitliche Bewegung der gekrümmten Blockwand ergibt. Das Fassadendesign wäre in Deutschland sicher heftig diskutiert worden. Mit diesen Eindrücken im Kopf beschlossen wir den Tag mit einem Besuch im neuen, durch Jo Coenen gebauten Café am Fußgängerplatz, das einen Blick auf den Park an der Maas und das erhaltene Theater gewährt. Herr Wouters gab auch hier noch Auskunft über das Planen in Maastricht an sich und die Besonderheiten des Gebietes Ceramique. Herrn Wouters und der Stadt Maastricht sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Betreuung gedankt!
Thomas Baum (Herzogenrath)


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