Promotion als Zusatzqualifikation
(Februar 2003)
Der Informationskreis für Raumplanung (IfR) hat im Februar 2003 zusammen mit der Alumni-Vereinigung des Studiengangs Raum- und Umweltplanung (RU) wieder eine Veranstaltung zum Rahmenthema "Berufseinstieg in der Raumplanung" für Studierende an der Universität Kaiserslautern durchgeführt. Insgesamt 30 Studierende, in der Mehrzahl aus den höheren Semestern, nahmen an dieser Veranstaltung teil. Drei Absolventen des RU-Studiengangs berichteten über ihren Einstieg in den Beruf und die Anforderungen sowie Aufgabenbereiche im derzeitigen Berufsfeld. Dabei wurde der Blickwinkel dieses Mal besonders auf die Erfahrungen und Einschätzungen einer Promotion, die alle drei erfolgreich nach Ende des Studiums begonnen und abgeschlossen haben, gerichtet. Eingeladen waren Dr. Thomas Geyer (Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Nord), Dr. Elmar Schütz (VIVICO Real Estate) und Dr. Jan Hilligardt (Landratsamt Darmstadt-Dieburg)
Thomas Geyer war direkt nach seinem Studienabschluss 1981 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Regional- und Landesplanung im Studiengang Raum- und Umweltplanung beschäftigt. In diesem Zeitraum schloss er seine Promotion 1987 erfolgreich ab. Hiernach arbeitete er neun Jahre als Leitender Planer bei der Planungsgemeinschaft Region Trier. Seit 1997 ist er als Verbandsdirektor beim Zweckverband SPNV-Nord in Koblenz tätig.
In seinem Rückblick machte Thomas Geyer am Beispiel der damaligen Inhalte des RU-Studiums deutlich, wie stark sich seine jetzige berufliche Tätigkeit vom erworbenen Hochschulwissen entfernt hat. Er betonte aber gleichzeitig, dass dieses Wissen deshalb nicht umsonst sei forderte aber, dass sich die Studieninhalte im Laufe der Zeit den geänderten Rahmenbedingungen anpassen müssten. Nach der Schilderung seines derzeitigen Tätigkeitsfeldes fasste Thomas Geyer die Bedeutung der Raumplanungsausbildung für die späteren beruflichen Anforderungen in drei Thesen zusammen:
- Das RU-Studium fördert konzeptionelles Denken und zukunftsorientiertes Handeln.
- Es werden besonders Fähigkeiten zur Koordination und zur Moderation vermittelt.
- Vor allem befähigt das Studium zur Entscheidungsvorbereitung in politischen Prozessen.
Elmar Schütz war nach seinem Diplom (1991) für zwei Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Stadt- und Regionalplanung von Prof. Dipl.-Ing. Albert Speer und seit 1993 für mehr als drei Jahre bei der Deutschen Bahn AG in verschiedenen Funktionen beschäftigt. In dieser Zeit schloss er 1997 die während der Assistentenzeit begonnene Dissertation zum Themenfeld "Stadtentwicklung durch Hochgeschwindigkeitsverkehr" ab. Danach war er Leiter im Bereich Projektentwicklung der Eisenbahnimmobilien Management GmbH (EIM) und ist seit Anfang 2001 bei der Vivico Management GmbH bzw. seit September 2002 bei der Vivico Real Estate GmbH tätig. Dort ist er heute Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement, Architektur und Stadtplanung.
Elmar Schütz erläuterte die vielfältigen Aufgaben in seinem derzeitigen Beruf und fasste die aus seiner Sicht wesentlichen positiven Aspekte einer Promotion zusammen:
- eine gewisse Achtung (des Titels) und Anerkennung der Leistung bei Kollegen und Geschäftspartnern,
- Schulung des strukturierten (wissenschaftlichen) Arbeitens,
- Schulung der Beharrlichkeit und des Durchhaltevermögens und damit
- Selbstbestätigung und Selbstsicherheit sowie
- Verbesserung der Chancen für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung.
Demgegenüber sieht er allerdings – zumindest in der ihm bekannten Berufspraxis – einige Probleme durch die Promotion:
- Touch des "Akademikers",
- hoher Aufwand (Kosten und Zeit) neben der beruflichen Tätigkeit und damit verbunden
- die Frage, ob die Ressourcen besser hätten genutzt werden können?
Auch wenn aus der Promotion kein direkt messbarer Nutzen zu ziehen ist, war Elmar Schütz der Ansicht, dass diese eine sinnvolle und wichtige Zusatzqualifikation darstellt, die nicht nur für wissenschaftliche Karrieren förderlich sei.
Jan Hilligardt schloss die Ausführungen der drei RU-Absolventen ab. Sein Studium in Kaiserslautern hatte er im Mai 1997 abgeschlossen und war direkt anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung der TU Darmstadt tätig. In dieser Zeit promovierte er mit dem Thema "Nachhaltige Regionalentwicklung durch freiwillige regionale Kooperation" zum Dr.-Ing. Seit März 2002 ist er als persönlicher Referent des Landrats im Landkreis Darmstadt-Dieburg tätig.
Jan Hilligardt stellte seine Aufgaben als Assistent im Fachgebiet der TU Darmstadt dar und gab einen Einblick in die aktuellen Tätigkeitsfelder eines Referenten für die politische Spitze eines Landkreises. Er machte deutlich, dass für seine Tätigkeiten die Promotion in der Regel von Vorteil ist. Zudem wies er darauf hin, dass die Grundlagen für die Promotion teilweise schon im Studium gelegt worden sind, so unter anderem in den Tätigkeiten als studentische Hilfskraft im Fachgebiet Regional- und Landesplanung.
In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmern wurde von den Referenten betont, dass der Promotionsprozess als Einstieg in den Beruf bei ihnen von nicht unwesentlicher Bedeutung war, insbesondere weil man während der Erarbeitung sehr viele Akteure aus den verschiedenen Berufsfeldern kennenlernt. Eine Promotion wird in der Regel zwar über eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter erfolgen, kann allerdings, wie dargestellt, mit erhöhtem Aufwand auch während einer anderen beruflichen Tätigkeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Wie die Praxisberichte zeigen, war die Promotion – wenn auch in unterschiedlicher Weise – für die berufliche Karriere auf jeden Fall förderlich. Alle drei Referenten wiesen unabhängig von der Thematik der Promotion auch darauf hin, dass sich die im Studium erworbenen Kompetenzen als Raum- und Umweltplaner für den Berufseinstieg insgesamt als sehr effektiv erwiesen haben.
Hans-Jörg Domhardt (Trippstadt)
Sprecher der RG Kaiserslautern


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